Review: Iron Kobra – Live At Crom’s Place

Üblicherweise bin ich kein großer Freund von Livescheiben und sehe mir Bands lieber tatsächlich live an, wo man sie mit allen Sinnen genießen kann und das Erlebnis um ein Vielfaches höher ist. Nun gibt es jedoch Bands, die man quasi tagtäglich live sehen könnte, ohne das sich Abnutzungserscheinungen zeigen. Diese Bands sind für jeden sicherlich andere und für mich gibt es einige, die ganz weit oben in einer Liste kommen: Neben den allseits mächtigen Sacred Steel, deren Live Blessings die für mich persönlich beste Live-DVD aller Zeiten ist ist ohne Zweifel Iron Kobra eine solche Band. Eben diese hat nun ganz aktuell – versehen mit jeder Menge Old School-Attitüde – ein Tape auf die Massen los gelassen, dem es gelingt, die einsamen Stunden erträglicher zu machen, in denen man unglaubliche Lust hat einen aufzurocken, aber kein Konzert weit und breit veranstaltet wird.

Iron Kobra - Live At Crom's Place

Iron Kobra - Live At Crom's Place

Wie es sich für die japanophilen Jungs gehört startet das Konzert mit einem Intro aus einem Anime-Film, der den Namen Ninja Scroll trägt wie ich mir habe sagen lassen – ich selbst habe von so Zeug nicht den blassesten Schimmer. Richtig los geht es dann mit “Rocket Riders” und dem geneigten Käufer von Nuclear Blast-Veröffentlichungen wird sicherlich zuerst einmal der extrem räudige Sound negativ aufstoßen. Aber dies, liebe Poserfreunde, ist Metal! Genau so hat sich eine Liveveröffentlichung anzuhören, denn sonst könnte ich ja auch gleich ein normales Studioalbum im Shuffle-Modus hören. Zugegebenermaßen könnte man vielleicht etwas mehr vom Publikum hören, aber sobald ich das Tape einlege bekomme ich sowieso Lust selbst rumzuschreien – sämtliche Liveszenarien lassen sich mit der entsprechenden Veröffentlichung, etwas Fantasie und einer entsprechend lauten Anlage auch irgendwie zu Hause nachstellen.

Iron Kobra

Iron Kobra

Beim Übergang zum zweiten Titel “Valhalla Rock” fällt dann etwas auf, was wirklich nicht schön ist: Die Songs sind ineinander gefadet. Das ist sicherlich der Veröffentlichung in Form einer Kassette geschuldet und der damit verbundenen einzigen Möglichkeit, punktgenau zwischen den Tracks zu spulen. Da hätte ich aber lieber drauf verzichtet, denn ein Live-Abum ist zum am Stück hören gedacht.

Iron Kobra (aktuelles Line-Up)

Iron Kobra (aktuelles Line-Up)

Aber was soll’s; mit “Heavy Metal Generation” folgt DAS Highlight schlechthin. Dass dieses Lied eine Granate ist habe ich ja immer schon gesagt, aber live ist es sogar nochmals eine Spur intensiver und man hört sogar was vom Publikum, das abgeht als gäbe es kein Morgen mehr. Das beim Gesang so gut wie keine Note getroffen wird und der Bass hin und wieder mal ein wenig neben der Spur ist macht die Aufnahme nur noch umso wertvoller – charmanter kann man Heavy Metal einfach nicht zelebrieren! Das ist Perfektion in Unperfektion gekrönt von der möglicherweise besten Vorstellung der Bandmitglieder, die überhaupt nur möglich ist. Das es so etwas heute noch gibt treibt mir fast die Tränen in die Augen – das ist Intensität, wie man sie nur selten erlebt und niemals reproduzieren kann. So etwas kommt vom Herzen!

Lord Python

Lord Python

Dass daraufhin ein Cover der obskuren, aber dadurch nicht weniger guten kanadischen Thor folgt ist eine logische Schlussfolgerung. Wer es kennt, weiß, was ihn erwartet. Wer es nicht kennt sollte diese Lücke schnellstens schließen. Zu diesem Zweck empfehle ich deren Werk Only the strong, auf dem das hier dargebotene “Thunder on the tundra” ebenfalls zu finden ist.

Sir Serpent

Sir Serpent

Mit “Will of the Kobra” wird eine Bandhymne par excellence zum Besten gegeben und wer denkt, dass damit ein neuer Geschwindigkeitsrekord aufgestellt worden ist sollte erst einmal auf das darauf folgende “Speedbiker” warten, das diesen Namen nicht zu Unrecht trägt – der helle Wahnsinn!

Don Viper

Don Viper

Einen würdigen Abschluss gibt es mit “Ronin” auf die Lauscher, das mal wieder mit wunderbar schrägem Gesang zu überzeugen weiß.

Commander Conda

Commander Conda

Wer Iron Kobra kennt und mag, bekommt mit dieser Live-Veröffentlichung die Vollbedienung. Jedem, dem die Band bislang nichts sagt lege ich vorerst mal die Battlesword-Scheibe ans Herz – sehr bald wird der Drang nach mehr Material einen aber auch zu diesem Tape leiten, das man als wahres Liebhaberstück bezeichnen darf, das man einfach haben MUSS!

Tracklist:
1. Intro
2. Rocket Riders
3. Valhalla Rock
4. Heavy Metal Generation
5. Thunder On The Tundra (Thor-Cover)
6. Will Of The Kobra
7. Speedbiker
8. Ronin

Line-up:
Sir Serpent – Gitarre, Gesang
Lord Python – Gitarre, Gesang
Don Viper – Bass, Gesang
Commander Conda – Schlagzeug (aktuell: Ringo Snake)

Über Steelborn Force

Heavy Metal to the end
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